Toskana
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
   HomeRestaurantkritik2005Kronenschlösschen, Marcobrunn

Kronenschlösschen


Hotel Krone, Marcobrunn, das graue Haus und die Käfer-Gastronomie auf Schloss Johannisberg – der Kenner weiß es: Im Rheingau sind alle Restaurants mit Spitzengastronomie entweder eingegangen oder auf dem direkten Weg dahin.

Allein auf weiter Flur das Kronenschlösschen, das mit 16 von 20 Punkten im Gault Millau aufwarten kann. Angesichts unseres kurzfristig angekündigten Kommens konnten wir leider nur noch Plätze im Bistro ergattern. Da aber auch dies aus der Küche von Patrik Kimpel bedient wird, starteten wir frohgemut in einen lauen Sommerabend. Ob Chefkoch Kimpel es uns einfach gleichgetan hat und bei einem frischen Bier an der Bar saß oder auf der Flucht war, konnte bis heute nicht abschließend geklärt werden.

Es bleibt jedenfalls zu hoffen, dass die uns servierte Vorspeise nicht durch seinen Pass gegangen ist. Denn: Der Tafelspitz war nicht lauwarm, was bekanntermaßen zwingende Vorgabe in der Korrespondenz mit der mitgelieferten Tomatenmousse (deren Ausführung überzeugte) sein muss, sondern nur noch lau und lieblos mit Paprika und weiteren Devotionalien garniert. Alles in allem ein absolut uninspirierter Eindruck, den das Gericht auf uns machte. Nach unserem entsprechenden Gruß an die Küche kam unsere Hauptspeise "Dorade Royale auf Bärlauchrisotto" exakt auf den Punkt. Die Garzeit perfekt eingehalten, außen saubere Krustenbildung, innen frisch und zart – sehr gut. Auch das schwierige Bärlauchrisotto wusste in der geschmacklichen Abstimmung zu überzeugen.

Dermaßen zufrieden, musste die Patisserie wohl dann wieder auf Normalmaß zurückfallen. Wir fanden das Limonen-Buttermilch-Sorbet niemals nur annähernd in der Nähe von mehr als 13 Punkten, wo doch meist gerade dieser Gang die kreative Potenz der Küche unter Beweis stellt. Brände und Zigarrenauswahl waren in Ordnung. Es bleibt einschränkend und abschließend festzuhalten, dass das von uns gewählte Menü mit einem preislichen Rahmen von 34,00 Euro natürlich absolut günstig war und in Kombination mit gut ausgesuchter und präsentierter gangweiser Weinbegleitung sowie dem jungen, engagierten Service einen kompakten Gesamteindruck vermittelt.

 

Trotzdem muss man attestieren, dass Kimpel sich auch durch solche Querschläger im Bistrobereich mittelfristig Ruf und Ehre verderben kann. Hoffen wir auf mehr Strahlkraft beim nächsten Mal, sonst müssen wir uns fragen, ob es nicht seinen Grund hat, dass uns der Klang des Begriffes "Jeunes Restaurateurs", der jungen Kochgilde, der Kimpel vorsteht, doch stark an das Wörtchen "restaurieren" erinnert.

Fazit: Unter den Blinden ist der Einäugige König: Marktführer mangels Alternativen.

 

Copyright © 2012 sternefresser Impressum