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   HomeRestaurantkritik2005New Brick, Frankfurt

Brick over troubled water: Das ging uns sowas von auf die Eier(speise): niedriges Niveau gepaart mit Ideenlosigkeit.


Des einen Souschef ist des anderen Leid: Eine altbekannte Gastro-Weisheit sorgt beim geneigten Publikum meist erst für Erheiterung und dann für tiefes Durchatmen.


Will im konkreten Fall heißen: Mit dem Weggang von Volker Drkosch aus dem Brick hat hier unter
Sven Krause, der immerhin schon mal bei Michael Wollenberg an den Posten durfte, eine neue Zeitrechnung begonnen. Als wäre dies nicht genug, wurde das ehemals vom Hotelier Thomas Althoff meisterlich geführte Hotel inzwischen von der Lindner-Gruppe übernommen. Von dieser weiß man, dass sie bisher jeden noch so aussichtsreichen Standort in die Bedeutungslosigkeit geführt hat.

Der erfahrene Leser erkennt bereits jetzt, dass es dem Main-Plaza und dem Brick leider ähnlich ergeht. Man kann uns nicht vorwerfen, dass wir den werten Herren zu wenig Zeit gegeben hätten - ­knapp ein Jahr ist der Wandel nun her und jegliche Schonfrist abgelaufen.

Zu einer durchaus normalen Essenszeit an einem Sonntag (19.00 Uhr) glänzt das Brick durch gähnende Leere, laute Technomusik aus der Küche und morbiden Charme. Der herbeigeeilte Chef de Rang bietet uns ein zwei Tische an, alle anderen sind mit einem Reservierungsschildchen versehen. Füllen werden sich im Laufe des Abends die wenigsten.

Den Auftakt verbringen wir alleine mit einem Gruß aus der Küche, der auch direkt von Käpt’n Frosta hätte kommen können. Einfallslose Varianten von Frühlingsrollen mit Chips, Weißbrot und Butter. Jeder Schnellimbiss gibt sich heute mehr Mühe beim Einkauf seines Convenience-Foods.

Erst jetzt öffnet sich der Vorhang zur Showküche, und spätestens jetzt weiß man, warum Showküchen seit fünf Jahren aussterben: Küche mit einem Blick hinter die Kulissen verliert jede erotische Faszination. Besonders wenn - wie in dieser Variante - eine Mischung aus Harry & Sally und Bonny & Clyde oder einfach nur Laurel & Hardy herumturnt. Ja, werden sie sagen, eventuell klappt es bei deren zwei einfach besser mit der Abstimmung. Könnte sein, antworten wir, und überlegen bereits, wie wir dieses gewagte Beispiel zur drastischen Reduzierung von Personalkosten in der Branche würdigen.  Leider wissen wir es jedoch bis heute nicht. Denn während unseres gesamten Aufenthaltes redeten Pat & Patachon ebensoviel miteinander, wie sie miteinander kochten: gar nicht.

Die Kürbiskernsuppe mit Ingwereis zur Vorspeise ist nicht übermäßig kreativ, kann aber bei guter Zubereitung ein netter Auftakt sein. Leider offenbart uns die offene Showküche jedoch, wie unter die Suppe am Pass noch schnell ein ordentlicher Löffel Eischnee gehoben wird. Ein Volltreffer im wahrsten Sinne des Wortes. Bereits bei schleichendem Genuss stellt sich ein unweigerliches Völlegefühl ein, da die Suppe durch die Zugabe des Eischnees unendlich schwer und träge geworden ist. Ein halbes Schwein hätte uns nicht schwerer im Magen liegen können. Unglaublich, aber wahr: Das Safranrisotto im zweiten Gang wird ebenfalls von Eischnee umrandet. Bis heute sind wir uns nicht sicher, ob die Küche uns einen üblen Streich spielen wollte, weil sie unsere lästerlichen Bemerkungen gehört hat, oder ob diese Zutat zur Konzeption gehört. Sollte letzteres der Fall sein, haben wohl alle großen Köche dieser Zeit eine essenzielle Zutat übersehen - oder das Brick hat eine Entwicklung verschlafen.

Nicht angenehmer wird dies alles durch den unendlich langsamen Service (bei immerhin zwei weiteren Gästen) und eine uninspirierte Weinauswahl. Der glasweise Ausschank wird im Übrigen entschieden zu warm vorgenommen, wir vermuten, dass die Weinklimaschränke bereits abgeschaltet wurden.

Fazit: Wir schließen den Abend und das Kapitel Brick mit zwei großen Gläsern Fernet Branca, denen es – gottlob - innerhalb kürzester Zeit gelingt, unseren Magen aufzuräumen.

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