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   HomeRestaurantkritik2005Villa Merton, Frankfurt

Spült der Erfolg Hans Horberth weiter nach oben? Gaumenfreuden mit Potenzial für einen zweiten Stern!


"Während in Villariba noch gespült wird, wird in Villabajo bereits gefeiert", hieß es einst in der Werbung eines zweitklassigen Spülmittels, dessen Macher zwei spanische Kleinstädte für ihr Marketingkonzept erfunden haben. Was währenddessen in der Villa Merton gemacht wurde, liegt nach unserem letzten Besuch klar auf der Hand: gekocht!

Satt, glücklich und ohne jegliches Völlegefühl verließen wir nach knapp fünf Stunden die heimelige Terrasse dieser Gastronomieeinrichtung im Frankfurter Unions Club. Hans Horberth kocht mit viel Liebe zum Detail und kreativem Charme durchaus traditionelle Gerichte auf äußerst hohem Niveau. Zu den von uns konsumierten vier Gängen (Törtchen von Thunfisch, Sushi-Reis und Aubergine; Kopfsalat-Minzschaum mit Hummer und Erbsen; Kalbsbäckchen 24 Stunden geschmort mit Sommer-Spitzkohl; Délice von Wildheidelbeeren mit Sauerrahmsorbet) präsentierte man außer einem dreifachen Amuse-Bouche noch einen Gruß aus der Patisserie und somit ein für diesen Preis nicht nur qualitativ hochwertiges, sondern auch unter Preis-Leistungs-Gesichtspunkten ausgezeichnetes Menü.

Alle vier Gänge des Menüs machten den Eindruck einer in sich stimmigen, durchkomponierten Leistung, die von Erfahrung, aber auch Präzision in der Arbeit zeugten. Dieses Niveau konnten die Amuse-Gueules nicht ganz beweisen, sowohl die Pulpo-Variation als auch das Wachtelei mit Senf sind unter Umständen einfallsreicher als der Rest der Karte, bedürfen aber noch einer detaillierteren Komposition der Geschmackserlebnisse. Der eingebackene Senf gab dem Ei eine schale Note, der Pulpo-Geschmack kam zu deutlich durch. Alles in allem lediglich kleine Unstimmigkeiten in einem durchdachten Auftritt.

Service und Weinbegleitung – einmal mehr in überwiegend weiblicher Hand – wissen das Niveau zu stützen. Charmant, unprätentiös und zu jeder Zeit fachlich kompetent erhielten wir eine korrespondierende Begleitung aus Österreich, dem Rheingau und von der Rhône. Die Digestif-Karte ist ebenso gut bestückt.

Leider konnten wir bezahlen und kamen daher nicht in den Villabajo-ähnlichen Genuss, dem Team von Hans Horberth beim Spülen assistieren zu dürfen. Denn wenn dies dort mit ähnlicher Perfektion erledigt wird wie die Zubereitung der Speisen, würden wir es unter Umständen in der Zukunft mit deutlich sympathischeren Testimonials in der Werbebranche zu tun haben.

Fazit: Man muss attestieren, dass Hans Horberth in dieser Form sein Potenzial weiter ausgenutzt hat und Punkte hinzugewonnen haben dürfte. Die 16-Punkte-Marke nahm er jedenfalls an diesem Abend ohne Mühen.

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