HomeRestaurantkritik2006Hagens Auberge, Regensburg

Ich will so bleiben, wie ich bin


Hagen war einmal ein edler Ritter, der uns im Deutschunterricht früherer Schultage bis in den Schlaf verfolgte. Und wie das mit Sagen im 21.  Jahrhundert so ist, sind diese entweder ausgestorben oder haben ein Lokal in Achau.



Hagens Auberge hat das Wunder vollbracht, trotz langjähriger
Schaffenszeit, nach wie vor der Privatinsolvenz entgangen zu sein und  ein Lokal eigenhändig führen zu dürfen. Ein Schicksal, das langsam aber sicher in Deutschland ebenso selten wird, wie die mittelalterliche Sagen angesichts der Pisa-Zeiten im Deutschunterricht.

Dass er darauf stolz ist, davon zeugen zahlreiche Zeitungsausschnitte an  den Wänden. Ob er darauf stolz sein kann, soll der Gast selbst beurteilen. Zu Silvester kreierte uns der Herr und Meister ein mehrgängiges Menü, das uns souverän an den Jahreswechsel heranführte.


Alle Gänge zeugen davon, das Hagen dass, was er tut, gelernt hat.
Warenkunde und Verarbeitung sind auf gutem bis sehr gutem Niveau. Technisch ist man hier leider auf der Höhe der 80er Jahre stehen geblieben. Keines der Gerichte hat Innovations- und Präsentationskraft, die über eine äußerst klassische Anmutung hinausgeht. Hier gibt es zum Fleisch noch reichlich Souce, der Salat dient als sättigende Beilage und auch Hagens Habitus in der Küche entspricht nicht unbedingt dem, was die heutigen Küchenchefs als kooperative Führung bezeichnen.

Ist das alles schlecht? Nein, nicht zwingend. Man wird satt, kann sich in Ruhe unterhalten und hat einen gemütlichen Abend auf einem humanen Preisniveau. Damit kann man heutzutage zwar keinen Drachen mehr hinter dem Ofen hervorlocken, doch in beschaulicher Atmosphäre gut unterhalten.

Du darfst! Aus Berlin nach Regensburg und nie wieder zurück. Hagen kocht dort, wo er ist, das, was man von ihm verlangt. Und das ist gut so.

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