HomeRestaurantkritik2006Wigbert Weck

Weinstube und Pension Weck [empfohlen von Christian Bau]


Wenn ein Koch eine Reise tut, hat er meist nicht nur viel zu erzählen, sondern auch eine weitere Position auf der Karriereleiter erklommen. Schritt für Schritt kommt man so seinem persönlichen Ziel der beruflichen Erfüllung näher.

Was aber, wenn diese Erfüllung gar nicht unbedingt in den Großstädten und Sternegastronomien dieses Landes begründet ist, sondern vielmehr einer familiären Lebensaufgabe. Auf den ersten Blick für Außenstehende schwierig nachzuvollziehen aber durchaus mit einer reizvollen Herausforderung verbunden. 

So verhält es sich aber bei Wigbert Weck. Er hat in seiner kurzen aber intensiven Arbeitsleben eine der derzeit wichtigsten Kochstationen in seinem Portfolio, in dem er bei Christian Bau, Deutschlands neuestem drittem Stern, mehr drei Jahre lang in führender Position gekocht hat. Nach einer mehr als deutlichen Empfehlung von Christian Bau himself waren wir gespannt, wen wir dort draußen in welcher Verfassung antreffen würden. Und siehe da: Als sollte uns ein würdiger Empfang bereitet werden, zeigte sich die Nahe, wo Wigbert Weck nun angekommen ist, im sanft-romantischen Schneetreiben und geleitete uns in die Arme eines junggebliebenen Koches voller Leiden- und Schaffenskraft.

Wecks Pension und Weinstube zeigte sich an diesem Abend gleichermaßen gut gefüllt, was die Arbeit an einem Gasherd mit vier Platten sicherlich nicht einfacher macht und trotzdem gelang es Wigbert uns ein ums andere Mal zu überraschen. Der hausgebeizte Laches mit Sternisaroma und Feldsalat besaß genau die exakte Mischung aus Salat und Lachs, die ein solches Gericht zu einem soliden Apetizer und nicht zu einem besseren Feldsalat werden lässt. Bereits hier zeigt sich mit der Schnittlauchcreme, Kunst und Können: Der Fond macht die Musik. Bei allen Gerichten setzt Wecks auf einen exzellente Basis an Soucen. Ein Umstand, der uns umso mehr beim Karotten-Ingwerpuree, überzeugte, das mit seinem kraftvollen und geschmacksstarken Auftritt einen guten Counterpart zur Wachtel einnimmt, die oftmals im Alleingang, einen zu fettigen Auftritt
hinterlässt. Die Wachtel war perfekt ausgegart: Das Fleisch zart (leicht herb) und die Haut ganz kross. Der teigige Effekt, der bei falscher Behandlung auftritt, wurde gekonnt umkocht.

Auch an unseren weiteren Hauptgängen dem Zanderfilet und dem Wildhasen erlebten wir klassische Küche par excellence, wobei wir hier in der Bewertung der Zubereitung eine Tendenz zum Fleischgang vergeben möchten. Eine krönenden und abermals überaschenden Abschluss bot und das Lebkuchenmousse mit Honigkrokantblättern. Ein Patisserie-Gang, den wir so aus einer quasi alleinherschaftlich geführten Küche nicht erwartet hätten.

Ganz klar könnte man nach diesem Abend sagen: Weck kocht weit über dem gastronomischen Niveau dieser Gegend. Aber - gebieten wir Einhalt - einmal mehr durften wir auf diesem Umweg erfahren, dass gute Küche die exakte Mischung aus Erfahrung, Know-How, Logistik und Kreativität ist. Wo andere nicht einmal vier Gänge zusammen bekommen, kocht Weck auf vier Gasplatten was das Zeugt hält. Saubere Planung von Speisenzusammenstellung und Abläufen ist hier die Herausforderung und das überzeugt nun alle Male deutlicher als Spitzenzutaten in wilder Reihenfolge durcheinander zu würfeln.

Komplettiert wird der Abend durch Wecks Vater, ein Mensch, der Erfahrungen und Erlebnisse teilhaben lässt und ein deutlich vergnüsamer Conferencier des Abends ist als manch
verschlossener Sommelier in der Spitzegastronomie. Wärme, Herzlichkeit und täglicher Kontakt mit dem Produkt ermöglichen es sich als Gast fallen zu lassen als säße man unter Freunden im Wohnzimmer. Serviert wurden uns durchweg Weine des familieneigenen Weinguts, das vom Bruder betrieben wird, und sicherlich in der Kellereiwirtschaft zwischen Nahe und Mosel einen Platz im angestammen Mittelfeld einnimmt. Anders formuliert: Die Qualität der Gerichte ist so stark, das der ein oder andere Weingang nicht ganz mitkommt aber empfehlenswert sind der Oberäuser Leistenberg als Auslese trocken und der Spätburgunder trocken
allemal.

Wigbert Weck hat hier seine Aufgabe gefunden, die ihn augenscheinlich zu einem glücklichen und zufriedenen Menschen macht. Einen Lebenszustand für den viele Großstädter viel Geld und Sitzungen beim Therapeuten investieren. Und natürlich bleiben Aufgaben: Insbesondere architektonisch und unter Gesichtspunkten der Einrichtung bleibt die Pension eine Pension und weiter hinter Wigberts Kochkünsten zurück. Aber auch das wird sich bei dem Schaffens- und Tatendrang, der noch in der gesamtem Familie
steckt, unter Umständen im Laufe der Jahre ändern. Vergessen wir nicht: Auch Helmut Thieltgens hat die Pension seiner Eltern übernommen als noch keiner daran glaubte, dass es in Dreis in der Eifel einen anderen Stern als den der Karosserie des örtlichen Bürgermeisters geben würde.

An der Nahe und immer noch nah dran: Wigbert Weck beweist täglich, dass Tradition und Leidenschaft die Wurzeln guter Gastronomie sind.

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