Rossini
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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Rossini – oder die mörderische Frage, wer bezahlt


Nach einschlägigen Erfahrungen beim Besuch italienischer Restaurants, insbesondere in der Gourmet–Hauptstadt Florenz, bietet sich oben genannte Umwidmung des in Deutschland bekannten Filmes quasi auf dem Silbertablett an – aber weit gefehlt.

Abseits vom Trubel des zentralen Platzes der Altstadt, dem Piazza della Signoria, und direkt am Fluss Arno gelegen, erschließt sich einem dieses kleine aber feine Restaurant gar nicht direkt auf den ersten Blick, da es auf einen pompösen Eingangsbereich verzichtet. Eine Strategie, die auch den weiteren Verlauf des Mittagessens bestimmt: Unprätenziös aber beeindruckend.

Die in Italien so übliche und herrlich opulente Klassik mit den meterhohen Decken und ausladenden Fresken überstrahlt auch das ansonsten schlicht gehaltene Restaurant und gibt eine gelungene Atmosphäre kühler Ästhetik und herausfordernder Kunst. Ein Maßstab, an dem sich die Küche zu messen weiß, wenn sie ihr klassisch italinisches Tasting–Menü serviert.

Wir starten mit einer Zwiebelsuppe mit aromatisierten Blüten. So klar und so rein erscheint uns die Zwiebelsuppe, dass sie der geeignete Einstieg in ein solches Menu ist. Ebenso von klarer Einfachheit aber überragender Struktur ist die Gänseleber gekennzeichnet, die wir dieses Mal in der Variante als einfache Fleischbällchen ohne unnötigen Schnick–Schnack erhalten.

Es folgen die Pasta–Gänge, die uns als Höhepunkte in Erinnerung bleiben werden. Sowohl die Gnocci als auch und insbesondere das Risotto sind von Qualität, wie man sie wohl nur in einem italienischen Restaurant erhalten kann und zeigen einmal mehr, dass es bemerkenswerte Hauptgänze auch noch heute ohne die Zugabe jeglicher Fisch– und Fleischkomponenten geben kann. Ein Versuch, der im deutschsprachigen Raum mangels Möglichkeiten oftmals unterlassen wird.

Der eigentlich Hauptgang, der Wolfsbarsch kommt dann eher unauffällig daher, kann aber mit der Qualität der vorhergehenden Gänge durchaus mithalten. Wir beenden den Nachmittag mit zwei wunderbaren Dessertgängen, die – eine Tatsache, die wir abermals viel zu selten im deutschsprachigen Raum erleben – nicht durch den übermäßigen Einsatz von Zucker glänzen, sondern frischer regionale Produkte in Form eines aufgegossenen Minzesüppchens und marinierten Litchis.

Der gleichnamigen Film von Helmut Dietl endet mit einem der vielen Wondratschek–Zitate im Film „Der alte Mief. Alles geht schief. Und die mörderische Frage, wer mit wem schlief, löst sich in Wohlgefallen auf.“ Und so können auch wir mit dem Verlassen des Restaurants beruhigt aufatmen und feststellen, dass das Rauschen, dass wir vernehmen, dieses Mal tatsächlich dem Fluss Arno und nicht den wegfahrenden Geldlastern entstammt.

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