HomeRestaurantkritik2012Agapé Substance, Paris

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Der Blick von außen in das Agapé Substance in Paris
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Kein Restaurant hat in den letzten zwölf Monaten in Paris für soviel Furore gesorgt wie das Agapé Substance. Erst im August 2011 eröffnet, avancierte das Kleinod binnen kurzer Zeit zu einem der Hotspots der französischen Hauptstadt. Journalisten, Blogger, kochende Kollegen und Gäste sind gleichermaßen begeistert. Woran liegt das? Das Konzept, auf Barhockern an einer Art Theke zu sitzen und den Köchen bei der Arbeit zuzusehen, kennt man bereits aus den weltweit verbreiteten Ateliers von Joël Robuchon. Die Gerichte gehören auch nicht unbedingt zur absoluten Avantgarde. Außerdem ist es sehr eng, sehr laut, sehr warm, und die Luft kann man vor allem im Winter fast schneiden. Um den langgezogenen, extrem schmalen Raum größer wirken zu lassen, sind Wände und Decken komplett verspiegelt, was einen leicht surrealen Eindruck macht.

  • Koch-Action im Agape Substance in Paris

Aber was sollen wir sagen: All diese Attribute tragen zur Magie dieses Ortes bei. Das Restaurant lebt, und die pure Freude am guten Essen ist so spürbar, wie wir es selten erlebt haben. Von der noch immer etwas steifen Atmosphäre in vielen Pariser Sternerestaurants keine Spur. Am ehesten kann man das Agapé Substance in der Szene der sogenannten "Bistronomics" verorten, jenen kleinen, in Paris seit geraumer Zeit florierenden Restaurants, in denen bestens ausgebildete Jungköche exzellente Speisen in lässiger Atmosphäre servieren. Wir empfehlen übrigens, unbedingt den "Chefs Table" zu reservieren, an dem man einen halben Meter hinter Chef David Toutain am Pass sitzt…

Küchenchef David Toutain aus dem Agape Substance in Paris in Action

Der 30-jährige Küchenchef und Co-Inhaber des Substance hat bei Alain Passard im L’Arpége und bei Andoni Luis Aduriz im Mugaritz gearbeitet, er war Souschef bei Marc Veyrat und verbrachte einige Zeit im New Yorker Corton. Seiner Frau Thai Toutain danken wir für die Interieur-Bilder. Das Restaurant betreibt er gemeinsam mit dem Ex-Arpége-Maître Laurent Lapaire, der bereits zwei andere, etwas konventionellere Lokale in Paris besitzt, das Agapé und das Agapé Bis.

  • Die ersten Gerichte im Agape Substance in Paris

Im Substance hat man die Wahl zwischen zwei verschiedenen Carte-Blanche-Menus, einem kleinen und einem großen, bei denen die Zahl der Gänge variabel ist. Der Küchenstil ist modern und experimentierfreudig, wobei alle Kreationen von seltener Stimmigkeit sind, bestens zugänglich bleiben und ganz einfach wunderbar schmecken.

  • Weitere Gerichte im Agape Substance in Paris

Absolut unverständlich daher, dass der Michelin in seiner 2012er-Ausgabe hier noch keinen Stern vergeben hat – ob sich da der konservative Flügel der Redaktion durchgesetzt hat, dem das Lokal womöglich einfach zu leger war? Wir jedenfalls waren begeistert. Zu den zahlreichen Highlights der 24 uns servierten Kleinigkeiten gehörten Krabbenfleisch mit Krevettenbouillon und Pampelmuse, gebratene Gänseleber mit Kartoffelgnocchi, Knollensellerie mit weißer Schokolade und ein Ragout von Taubeninnereien mit Foie Gras und Pilz-Nussbutterschaum.

Interieur des Agape Substance in Paris

Da es im Agapé Substance keine Speisekarte gibt und wir am Tisch keinen Platz für Notizen hatten, müssen wir diesmal auf detaillierte Beschreibungen der Gerichte verzichten. Aber auch das passt zu diesem Restaurant: Man sollte nicht viele Worte machen, sondern sich einfach vom Zauber gefangen nehmen lassen…

David Toutain ist Küchenchef im Agape Substance in Paris

Fazit: Eines der Erlebnisse 2011 – es mag nicht zu unserem Namen passen, aber für ein Essen im Agapé Substance würden wir so manchen Pariser 3-Sterner links liegen lassen.

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