HomeRestaurantkritik2012Rosin, Dorsten

Bewerten Sie diesen Artikel! Rating: 2.5/5 (total: 324)

Viel Schmackofatz um Nichts


Das Restaurant Frank Rosin in Dorsten

In den letzten Jahren hat sich die kulinarische Welt immens weiterentwickelt. Und man mag es kaum glauben, aber auch wir gehen inzwischen unsere eigenen Wege und haben uns von den Bewertungen der klassischen Führer weitestgehend abgenabelt und besuchen lieber die Häuser, in denen wir wegweisende Entwicklungen erwarten oder die uns von Köchen oder Lesern ans Herz gelegt werden.

Im goldenen Herbst kommen wir jedoch nicht umhin, einen Blick in Gault Millau und Guide Michelin zu werfen, um zu erfahren, was die werten Kollegen an spannenden Entwicklungen in der Spitzengastronomie sehen. Die Verleihung des zweiten Sterns an Frank Rosin im vergangenen November etwa kam für uns doch sehr überraschend, hatten wir ihn bis dato mehr im frühabendlichen Programm eines Unterschichten-Senders wahrgenommen als in kulinarischen Insiderkreisen. Für uns ein willkommener Grund, eine Reise in den "Pott" mit einem Besuch in Dorsten zu verbinden und Küche und Koch einmal näher kennen zu lernen.

Schöner kann man in Dorsten nicht nächtigen: Schloss Gartrop
Schöner kann man in der Nähe von Dorsten nicht nächtigen: Schloss Gartrop

Herbert Grönemeyer hat "Tief im Westen" nicht ohne Grund gesungen. Je tiefer man hineingelangt, desto länger werden die Distanzen zwischen den einzelnen Ortschaften, und so zog sich unsere Anreise nach Dorsten doch in ungewohnte Längen. Umso besser, dass wir im Schlosshotel Gartrop eine Übernachtungsmöglichkeit eingeplant hatten, die uns vor dem Essen die Möglichkeit zur kurzen Rast geben sollte. Doch dazu kam es nicht: Zu eindrucksvoll und spektakulär muten die Mauern an, dass wir an einer ausgiebigen Besichtigung nicht vorbeikönnen. Unser Urteil: Im alltäglichen Hotel-Einerlei ist das Schloss eine außergewöhnliche und willkommene Abwechslung.

In Dorsten angekommen erwartete uns ein wenig schmucker Klinkerbau, an dem der Hinweis auf das Zwei-Sterne-Restaurant fast von der Leuchtreklame für die darüber liegende Zahnarztpraxis überstrahlt wird. Die Inneneinrichtung ist ohne Zweifel modern, wirkt aber etwas schwermütig und undefinierbar barock. Auch ist das Lichtdesign ungeschickt angelegt und eher düster. Vielleicht ein Grund, warum im gesamten Verlauf des Abends keine Wohlfühlatmosphäre aufkommen wollte.

Einige Amuses Bouche von Frank Rosin im Dorstener Restaurant Rosin
Bilder zum Vergrößern anklicken

Der Einstieg ins Menü beginnt mit den sogenannten Schmackofatz‘. Der irritierende Name ist auf die Großmutter von Frank Rosin zurückzuführen, deren Kosename für Kleinigkeiten aus der Küche so gelautet habe, gibt der Service als Erklärung. Im konkreten Fall und in anderen Häusern darf man wohl von Amuses-Gueules sprechen.

Uns erreichen Mais, Avocado und Speckpopcorn, Fenchel und Aubergine mit warmen Rosinen und Kapern, King-Salmon mit getrockneten Blüten in Röstkartoffelbutter sowie zweierlei Espuma von Tonic Water mit Himbeeren und Brombeeren. Ihren originären Zweck erfüllen die Kleinigkeiten nicht, da sie weder Appetit auf mehr machen noch in irgendeiner Form einen spannenden kulinarischen Ansatz oder gar eine eigene Linie vermitteln.

Als Vorspeise servierte Frank Rosin in Dorsten marinierten Thunfisch mit Brillat Savarin und Imperial-Kaviar

Das eigentliche Menü beginnt mit einem marinierten Thunfisch mit Brillat Savarin und Imperial-Kaviar. Leider überzeugt uns hier vor allem die Produktqualität des Thunfischs nicht. Darüber hinaus entbehrt das Schäumchen jeglichen Geschmacks und somit auch des Sinns. Angesichts dieser belanglosen Kreation kommen uns erste Bedenken hinsichtlich einer versöhnlichen Gesamtleistung.

Als Zwischengericht servierte Frank Rosin in Dorsten die Tafel Schokolade von Kaffee, Foie Gras mit Hibiskusblüte und kaltem Kalbsjus mit Trüffel

Auch bei der Tafel Schokolade von Kaffee, Foie Gras mit Hibiskusblüte und kaltem Kalbsjus mit Trüffel will der Funke der Begeisterung nicht überspringen. Abermals müssen wir die Produktqualität in Zweifel ziehen: Foie und Trüffel verdienen die Wertung herausragend nicht und das Gericht ist erneut von absoluter Belanglosigkeit. Uns beschleicht das Gefühl, wir haben es in exakt dieser Form schon viele Male gegessen – allerdings in wesentlich einfacheren Etablissements.

Es folgt der Tiefpunkt des sehr kurzen Menüs: Die Gressingham-Ente (leider ohne Bild) ist zäh, die Jus wässrig und die gesamte Komposition mit Wirsing und Orangen als klassisches Herbst- oder Wintergericht angelegt – entsprechend schwer liegt sie uns bei diesem unserem Besuch im Frühling (!) im Magen. Wir erwägen jetzt den vorzeitigen Abbruch des Dinners. Da wir jedoch noch nicht mal 1,5 Stunden im Hause sind, geben wir der Pâtisserie eine Chance zur Wiedergutmachung.

Die Käseauswahl bei Frank Rosin in Dorsten

Zunächst erreicht uns jedoch eine Rohmilchkäseauswahl. Diesen vielleicht besten Gang des Abends haben wir jedoch nicht der Küche zu verdanken, so dass wir die Besprechung hier abkürzen können.

  • Die Predesserts bei Frank Rosin in Dorsten

Die Predesserts

Als Dessert servierte Frank Rosin in Dorsten Manjari-Schokolade mit Orangen und gefrorenem Schaum von edelsüßem Wein

Das abschließende Dessert, Manjari-Schokolade mit Orangen und gefrorenem Schaum von edelsüßem Wein, lässt Zweifel aufkommen, ob überhaupt jemand die Menüs komponiert. Nachdem wir schon bei der Ente einen starken Orangeneinschlag hatten, überfällt uns nun eine Kombination aus heftiger Süße und klebriger Konsistenz. Ein finaler Reinfall.

Die Petit Fours bei Frank Rosin in Dorsten

Die reichhaltigen Petit Fours.

Im Anschluss an das Menü haben wir lange gerätselt, was an diesem Abend schiefgelaufen ist. Waren wir vielleicht nicht in der richtigen Stimmung? Oder war die Erwartungshaltung schlichtweg zu groß? Beides können wir verneinen, haben wir uns auf Schloss Gartrop doch adäquat eingegrooved und gelang es auch anderen neuen Zwei-Sternern, uns zu begeistern. Auch an einer Übersättigung kann es nicht gelegen haben: Unser letztes Sternefressen lag bereits 14 Tage zurück.

Frank Rosin ist Patron des gleichnamigen Restaurants in Dorsten
Werbefigur Frank Rosin / © 2011 Rotkäppchen Peter Jülich GmbH & Co. KG

Ohne Zweifel wird bei Frank Rosin nicht schlecht gekocht, jedoch ist es eine absolute Melange des Mittelmaßes, die auf den Tisch kommt. Und ein klares Konzept ist nicht zu erkennen: Weder setzt Rosin regionale Produkte in den Fokus noch saisonale Aspekte, auch eigenständige Spannungsbilder oder einzigartige Techniken fehlen in den Gerichten. Wir hätten uns an diesem Abend an jeden Strohhalm geklammert, der das Etikett "Küche, die einen Umweg wert ist" verdient hätte.

Auch der junge und wirklich freundliche Service kann den miserablen Gesamteindruck nicht wettmachen. Unter anderen Umständen (einer anderen Küche) kann die schwarze Brigade sicher zu einem besseren Verlauf des Essens beitragen und das Haus von seiner besten Seite strahlen lassen.

Fazit: Die Küchenleistung am Abend unseres Besuches offenbarte deutliche Schwächen – Frank Rosin sollte sich vielleicht auf seine ursprüngliche Profession besinnen und das Fernseh-Studio häufiger mal wieder durch seine Küche ersetzen.

Rosin

Hervester Straße 18
46286 Dorsten
+49 (2369) 4322

Rosin-Website

Die Öffnungszeiten des Rosin in Dorsten
Das Interieur des Rosin in Dorsten
Copyright © 2012 sternefresser Impressum