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Ein Japaner in Paris


Das Team des Restaurants Kei in Paris
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Der 33-jährige Küchenchef Keisuke Kobayashi ist in Paris längst kein unbeschriebenes Blatt mehr. Schon in seiner Heimat Japan kam er mit der französischen Spitzenküche in Berührung, mach seinem Umzug nach Frankreich arbeitete er elf Jahre lang in Spitzenrestaurants der "Grande Nation". In Alain Ducasses Flaggschiff im Hotel Plaza Athénée stieg er nach sieben Jahren schließlich zum Souschef auf.

2010 beabsichtige er, in seine Heimat zurückzukehren, stellte sich dann aber zusammen mit seiner Frau der Herausforderung, das Restaurant der Pariser Koch-Legende Gérard Besson zu übernehmen. Sie scheinen alles richtig gemacht zu haben, denn nur zehn Monate nach der Eröffnung feiern sie nun bereits den ersten Stern.

Das elegante Interior des Kei

Die Souveränität zeigt sich auch bei unserem Besuch. Der Gastraum ist äußerst stilsicher minimalistisch-elegant gestaltet und wirkt trotz der Reduziertheit in keiner Weise steril. In den schönen und bequemen Sesseln übersteht der Gast auch längere Diners körperlich unbeschadet Der Service unter Leitung von Frau Kobayashi und dem altgedient-kenntnisreichen Sommelier Gilles Josso agiert höchst professionell und würde auch höheren (Michelin-)Maßstäben gerecht werden.

Keis Küche kann einer französischen Neo-Klassik mit japanischem Einschlag zugeschrieben werden. Dem „ernsthaften Punk“ mit den gegelten gefärbten Haaren und nur drei Leuten in der Küche merken wir im späteren Gespräch den brennenden Ehrgeiz an, den Gerichten glücklicherweise nur selten.

  • Die ersten Gerichte im Restaurant Kei in Paris

Das Amuse, ein Röllchen mit Gänsestopfleber-Creme, sowie die Jakobsmuschel mit Kaviar fallen noch etwas blass aus, das folgende Senfsorbet mit Tomaten und Basilikum-Pulver begeistert im Anschluss ob seiner außergewöhnlichen, aber harmonischen Kombination. Ein erstes Highlight dann das kalte Gemüseeintopf-Gelee mit geräucherter Lachs-Mousse und Auberginen-Kaviar. Hier zeigen sich zwei Stärken Keis: ein höchst sensibler Umgang mit den Produkten sowie eine puristische Präsentation, ganz nach japanischer Tradition.

Das Hummer-Gericht im Restaurant Kei in Paris

Es folgt das gewagteste Gericht des Menüs, Hummer mit roten Früchten. Sind wir zunächst unschlüssig, ob diese marine Fruchtbombe zum jetzigen Zeitpunkt im Menü nicht etwas deplatziert ist, überzeugt nach wenigen Gabeln die Balance zwischen und das Spiel mit den Aromen. Dass wir auch hier mit perfekter Garung konfrontiert werden, ist fast überflüssig zu erwähnen. Dennoch ist das halbe Tier auf dem Teller im großen Menu etwas überproportioniert.

Die Götterspeise des Abends im Kei in Paris: Wolfsbarsch, Erdnuss, knackiges Gemüse und Pilze

Auch in den Genuss einer Götterspeise kommen wir, die Kei mit dem Wolfsbarsch, knackigem Gemüse und Pilzen "à la grecque" auf höchstem Niveau orchestriert: Eine unfassbar knusprige Haut des tollen Fisches, sowie die erneut exzellent gegarten Gemüse und Pilze machen diesen Teller zu einem texturellen Spielplatz, der durch die Erdnusssoße den letzten Kick bekommt.

Ente, Grapefruit und Pürée als Hauptgang im Kei in Paris

Im Hauptgang haben die Gäste tischweise die Wahl zwischen zwei Fleischprodukten, die unsrige fällt zugunsten eines Entenvogels und gegen ein Kalb aus. Dies bereuen wir zwar nicht, hätten aber gerne erlebt, ob der Küchenchef mit dem Herdentier mehr Spannung an den Tisch gebracht hätte als mit Ente mit Trauben.

  • Der gelungene Abschluss im Restaurant Kei in Paris

Die Käseauswahl fällt klein, aber mit einigen guten Sorten differenziert aus und leitet zum ersten "Käse-Dessert", dem Vacherin Citrus, über, gefolgt von einer Schokoladen-Vanille-Komposition – beides passend und ohne Fehl und Tadel, was auch für die anschließenden Petit Fours gilt.

Das Menu umfasst wahlweise sechs oder acht Gänge, die bis auf den Hauptgang und das Dessert der Auswahl des Chefs obliegen. Für 75 bzw. 95 € muss man für Pariser Maßstäbe von einem großartigen Gegenwert sprechen. Es bleibt abzuwarten, wie sich dieses Preisniveau nach der Auszeichnung durch den Michelin entwickelt.

  • Weitere Eindrücke vom Restaurant Kei in Paris

Fazit: Kei bietet in seinem jungen Restaurant eine vielfältige Palette an kreativen Kompositionen, die zwischen Götterspeise und ordentlicher Umsetzung oszillieren. Zwischen der französischen und der japanischen Küchenkunst wandelnd und mit tadellosen technischen Fähigkeiten ausgestattet, wird dieses Pariser Talent weiterhin von uns beobachtet werden.

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