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Tischreservierung

Mehr Glanz für Amsterdam


Das Hotel de l'Europe mit dem Restaurant Bord'Eau in Amsterdam
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Lange Jahre war Amsterdam in kulinarischer Hinsicht kein außergewöhnliches Ziel. Die meisten der besseren Restaurants servierten betont klassische Küche in betont altmodischem Ambiente. Seit ein paar Jahren aber tut sich was: Das Ciel Bleu steht inzwischen für eine ultramodernistische Küche, und gleich zwei Größen der niederländischen Moderne – Ron Blaauw und Moshik Roth – verlegten im letzten Jahr ihre Wirkungsstätten nach Amsterdam.

Das Interieur des Restaurants Bord'Eau im Hotel de L'Europe in Amsterdam

Zu den Shootingstars der Szene gehört sicherlich auch Richard van Oostenbrugge im Bord'Eau, dem Gourmetrestaurant des ehrwürdigen Hotel de l'Europe. Erst im Juli 2012 eröffnet, erhielt das Lokal bereits im November desselben Jahres den ersten Stern. Auf weltberühmte Stationen kann Richard van Oostenbrugge nicht unbedingt zurückblicken. Er war unter anderem im Grand Hotel Park in Gsaad tätig und führte zuletzt die Küchengeschicke im Amsterdamer Small-Plates-Lokals Envy. Umso gespannter waren wir, was uns erwarten würde…

Das Ambiente ist eine angenehme Mischung aus altmodisch und modern: Man spürt den historischen Atem des Gebäudes, während sich die puristisch-elegante Einrichtung klar auf der Höhe der Zeit bewegt. Anders gesagt: Wir fühlten uns sofort wohl.

  • Die Amuses von Richard van Oostenbrugge im Bord'Eau in Amsterdam

Und auch die Amuses wissen zu überzeugen: Gefüllte Teigröllchen, Muschelcrème mit Lachskaviar und Austernblatt, Seeigel mit Kaffee und eine Tomatenessenz schmecken durchweg elegant und hochfein. Allein die Füllung des Basilikumraviolos in der Essenz erinnert uns etwas zu stark an Pesto.

Das Jakobsmuscheltatar als erster Gang von Richard van Oostenbrugge im Bord'Eau in Amsterdam

Der erste Gang des Menüs dann gleich ein Knaller: Das roh marinierte Jakobsmuscheltatar mit Topinamburschaum und schwarzem Trüffel schmeckte wunderbar würzig, bekommt durch den Schaum eine hauchfeine Süße und durch den Trüffel eine angenehme Erdigkeit. Besser kann man kaum starten.

Das Kalbstartar als Zwischengericht von Richard van Oostenbrugge im Bord'Eau in Amsterdam

Nicht weniger eindrucksvoll der folgende Gang: Kalbstatar in einem "Knochen" aus confierter Kartoffel mit saurer Sahne und Kaviar. Diese klassische Kombination wird hier in eine ideale Form gebracht, da man durch die Präsentation stets alle Komponenten zugleich isst – was zu einem in jeder Hinsicht vollmundigen Hochgenuss führt. Das Tatar ist perfekt gewürzt und nicht zu fein gehackt, die Kartoffel ideal bissfest, der Kaviar steuert jodige Frische bei. Besonders köstlich auch das obenauf liegende Crisp mit Kalbsmark und Schnittlauch. In Summe ganz einfach fantastisch.

Die Langoustine als weiteres Zwischengericht von Richard van Oostenbrugge im Bord'Eau in Amsterdam

Die Langoustine mit knuspriger Hühnerhaut, Kastanien, Peterslienwurzel und Sauce von Hühnerleber ist eine originelle Variante des Themas "Berg & Meer". Das leicht Süßliche der knackigen Langoustine und der Petersilienwurzel wird dabei durch die Röstnoten der Hühnerhaut und den tiefen Geschmack der Sauce gekontert. Das Ergebnis ist ein harmonisches, sehr eingängiges, durch und durch wohlschmeckendes Gericht.

Die Rotbarbe als weiteres Zwischengericht von Richard van Oostenbrugge im Bord'Eau in Amsterdam

Bei der Rotbarbe mit ‘jus à la Bécasse’ und Salat von Wasserkresse begeistert nicht zuletzt die Sauce: Wie beim klassischen Jus von der Schnepfe ("Bécasse") wird hier neben dem Fisch auch die Leber der Barbe in die Sauce eingearbeitet – einfach köstlich. Aber auch das Filet schmeckt exzellent und bekommt durch den hauchdünnen Brotchip eine sehr schöne Knusprigkeit. Die kräftigen Aromen von Fisch und Sauce werden durch die Frische des kleinen Salats bestens komplimentiert.

Kaninchen als Hauptgericht von Richard van Oostenbrugge im Bord'Eau in Amsterdam

Nicht ganz so überzeugend dann der Fleischgang: Filet und Geschmortes vom Kaninchen in mediterraner Würze mit Sellerierisotto wirkt vor allem durch die allzu kräftige Würzung vergleichsweise plump; dagegen kommt auch das Risotto mit seiner natürlichen Selleriesüße nicht an. Das gerollte Filet ist zart und aromatisch, das Schmorstück hingegen recht trocken. Insgesamt ist das alles nicht schlecht, aber bei weitem nicht so fein und elegant wie die vorherigen Gänge.

  • Der Käse bei Richard van Oostenbrugge im Bord'Eau in Amsterdam

Danach eine Auswahl holländischer Käse – einer kräftiger als der andere…

Das erste Schokoladen-Dessert mit Manjari und Garnacha bei Richard van Oostenbrugge im Bord'Eau in Amsterdam
  • Das erste Schokoladen-Dessert mit Manjari und Garnacha bei Richard van Oostenbrugge im Bord'Eau in Amsterdam
Das erste Schokoladen-Dessert mit Manjari und Garnacha bei Richard van Oostenbrugge im Bord'Eau in Amsterdam

Das erste Dessert kommt als futuristisch anmutende Zauberkugel auf den Tisch, die unter Saucenbeguss ihr Inneres freigibt. Das ist ein hübscher Gag, aber ein geschmacklich eher konventionelles Dessert. "Schokolade pur" scheint hier das Motto und benennt zugleich das Problem: Es fehlt an einem aromatischen Kontrapunkt. Dass bei dem Gericht mit Manjari and Garnacha nur edelste Kakaobohnen Verwendung finden, hilft da kaum. Nach weniger als der Hälfte müssen wir aufgrund eines akuten Schoko-Overkills aufgeben.

Kokos, Limette, Joghurt und Champagner als zweites Dessert bei Richard van Oostenbrugge im Bord'Eau in Amsterdam

In jeder Hinsicht ein Gegensatz dazu dann Dessert Nummer zwei: Kokos, Limette, Joghurt und Champagner besticht allein schon optisch durch seine Eleganz und seine ebenfalls futuristische Anmutung. Die diversen Kugeln variieren und kombinieren die Hauptzutaten, alles schmeckt leicht, erfrischend und zugleich vollmundig; es prickelt, hat Schmelz, und immer wieder scheint man eine neue Variante des Aromen-Ensembles zu erschmecken. Ein toller Abschluss.

Petits Fours bei Richard van Oostenbrugge im Bord'Eau in Amsterdam

Zum Kaffee dann ein paar Petits Fours, die in Form von Waldpilzen und Maronen präsentiert werden – nett, aber ein wenig zu süß..

Richard van Oostenbrugge ist Küchenchef des Bord'Eau im Hotel de L'Europe in Amsterdam

Das Essen im Bord'eau war einer der seltenen Fälle, bei denen wir ohne jegliches Vorwissen bei einem Küchenchef einkehren – und dann umso positiver überrascht werden. Die klassisch-modernen Kreationen von Richard van Oostenbrugge sind originell konzipiert und schlüssig komponiert, sie schmecken zugänglich und zugleich durchaus komplex. Hier und da dürften manche Gerichte mehr Ecken und Kanten haben, doch einerseits soll vermutlich die gediegene Hotelklientel nicht überfordert werden, und andererseits muss man bedenken, dass das Restaurant seit kaum einem Jahr besteht.

In jedem fall spürt man die Ambition des Küchenteams, etwas Großes auf die Beine zu stellen – und wenn unser Besuch ein Indikator war, dann darf man hier noch viel erwarten.

Private Dining im Restaurant Bord'Eau in Amsterdam

Fazit: Große Küche im Grand Hotel: Richard van Oostenbrugge beeindruckte uns mit eleganten, zeitgemäß präsentierten und vor allem äußerst schmackhaften Kreationen. Dieses Talent gilt es zu beobachten…

Bord'Eau im Hotel de L'Europe
Nieuwe Doelenstraat 2-14
1012 CP Amsterdam, Niederlande
+31 20 531 1777
Die Website des Restaurants

Bewertungen: 1* (Michelin) / 16 Punkte (Gault Millau)

Weinbegleitung


Die Weine im Bord'Eau in Amsterdam

2010 Baronne Charlotte Graves, Baron Rothschild

2003 Chateau Laffitte Teston, Vieilles Vignes, Madiran

2010 Monte Fiorentine, Soave Classico, Ca Rugate, Venetien

2010 Christian Bellang & Fils, Meursault, Cote de Beaune

2010 Massaya Classic Rouge, Bekaa Valley, Libanon

2008 Rudolf Müller Eiswein, Rheinhessen

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