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Tischreservierung Schloss Friedrichsruhe

Hohenloher Hochburg


Das Wald & Schlosshotel Friedrichsruhe
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Luxushotels, die Eleganz ausstrahlen und zugleich zum Relaxen einladen, findet man in Deutschland überwiegend im Süden. In Baden-Württemberg scheint die Konzentration an solch noblen Ferienhotels besonders hoch zu sein. Neben den Schwarzwälder Klassikern, der Traube Tonbach und dem unweit gelegenen Bareiss, zählt auch das grandiose Brenner’s Parkhotel in Baden Baden zu jenen Institutionen, die durch eine jeweils ganze eigene Klasse eine große Stammkundschaft anziehen.

Ein Stück weiter nördlich liegt das Wald & Schlosshotel Friedrichsruhe. Nach dem Kauf durch die regional beheimatete Würth-Gruppe befindet sich das idyllisch auf der Hohenlohe gelegene Resort seit 2005 in investitionsfreudigen Händen – was dem Haus auch kulinarisch neuen Aufwind bescherte. Seit 2009 kocht im Gourmetrestaurant Boris Benecke. Der 37-Jährige absolvierte unter anderem Stationen bei Deutschlands Grand Chefs Heinz Winkler, Harald Wohlfahrt und Dieter Müller. So wundert es nicht, wenn er seinen Küchenstil als einen auf der französischen Küche basierenden beschreibt.

Das Interieur des Wald & Schlosshotels Friedrichsruhe

Der edel eingerichtete Speiseraum wirkt durch Erd- und Cremefarben angenehm zurückhaltend, jedoch ist er an diesem Mittag nicht eingedeckt. Angesichts sommerlichen Wetters nehmen wir unseren Lunch auf der schönen Terrasse des Hotels ein. Amüsant ist, dass sich hier Gäste aus allen hauseigenen Restaurants zusammenfinden und somit unweigerlich einen Blick auf das gesamte Repertoire der Küche erhaschen. Auch eine Art, auf das Gourmetkonzept aufmerksam zu machen!

Für Erheiterung sorgt auch eine Anekdote des Service zum Außenbereich. Vor dem Bau einer Ortsumgehung lag das Hotel direkt an der Straße, was nicht nur einen deutlich höheren Lärmpegel zur Folge hatte, sondern auch dazu führte , dass man zwischendrin den einen oder anderen Vollgas-Biker dank Kurvenlage am Tisch begrüßen konnte. In dem Wissen hier nicht mehr auf der Abschussrampe zu sitzen, starten wir mit den ersten Happen des Lunchs...

Trio von der Tauben als Apéro bei Boris Benecke im Wald- und Schlosshotel Friedrichsruhe in Zweiflingen

Das Trio von der Taube ist wohlschmeckendes Fingerfood. Vom Wachtelei mit gebackener Taube und Crème fraîche über die pochierte Taube mit Spargelsalat bis zur gefüllten Taubenkeule mit Portweinjus überzeugen die kalt servierten Apéros durch ihre Geschmacksintensität und Klarheit.

Frosch mit Trüffelerde als Amuse Gueule von Boris Benecke im Wald- und Schlosshotel Friedrichsruhe in Zweiflingen

Als Amuse folgt ein weiterer Schenkel, diesmal vom Frosch mit Trüffelerde, Petersilie und Champignons. Auch dieser gefällt mit Textur und ebenfalls starker Aromatik, ...

Die geeiste Gazpacho als zweites Amuse Gueule von Boris Benecke im Wald- und Schlosshotel Friedrichsruhe in Zweiflingen

...verblasst aber recht schnell angesichts des letzten Amuses: der geeisten Gazpacho. Bei Mittagshitze unter Schirmen sitzend, freuen wir uns über diese herrlich erfrischend-leichte Kleinigkeit. Kräftiger Tomatengeschmack trifft auf vegetabiles Basilikum und kühlt uns innerlich ab. Das hätten wir gerne auch in Vorspeisengröße genossen.

Geräucherter Wildlachs mit Avocad als erster Gang von Boris Benecke im Wald- und Schlosshotel Friedrichsruhe in Zweiflingen

Den Einstieg ins Menü bildet der geräucherte Wildlachs mit Avocado, Limette und Kaviar. Bereits die kräftigen Farben versprechen Saftigkeit und Reife – und auch der Geschmack ist einnehmend gut. Das Zusammenspiel von Wildlachs und Avocado funktioniert prächtig, wobei nicht zuletzt die cremige Textur des Lorbeergewächses wichtig ist. Ein durchaus komplexes Gericht, das gut durch die feine Säure der Limette strukturiert wird.

Schaumsüppchen vom Spargel mit Milchkalbsbries als weiterer Gang von Boris Benecke im Wald- und Schlosshotel Friedrichsruhe in Zweiflingen

Nach den bislang eher schlanken und erfrischenden Gängen leitet das Schaumsüppchen vom Spargel mit Milchkalbsbries zu klassischer Opulenz über und wird genau zum richtigen Zeitpunkt präsentiert, da wir allmählich das Verlangen nach Gehaltvollerem verspüren. Das Schaumsüppchen erweist sich als harmonischer Vorbote, selbst wenn es etwas an Pep fehlt. Dank des köstlichen Bries bleibt insgesamt der Eindruck eines soliden und ansprechenden Gerichts.

Kaisergranat mit Erbse als weiterer Gang von Boris Benecke im Wald- und Schlosshotel Friedrichsruhe in Zweiflingen

Vergnügen bereitet uns im Anschluss der Kaisergranat mit Erbse, Karotte und Beurre Blanc. Der Protagonist ist perfekt gegart und von ausgezeichneter Produktqualität, Biss liefern die in der Beurre Blanc schwimmenden Tapiokaperlen. Ergänzt durch die feine, dezente Süße der Karotten und Erbsen zeigt sich das Gericht sehr ausgewogen und auf den Punkt gebracht.

  • Gänseleber mit Spanferkel von Boris Benecke im Wald- und Schlosshotel Friedrichsruhe in Zweiflingen
  • Gänseleber mit Spanferkel als weiterer Gang von Boris Benecke im Wald- und Schlosshotel Friedrichsruhe in Zweiflingen

Die im Salzteig gebackene Gänseleber mit geräucherter Spanferkelschulter, Apfel, Rettich und hällischer Blutwurst bietet nicht nur ein hervorragendes À-la-Carte-Erlebnis, sondern ist eine klare Götterspeise. Maître Dominique Metzger befreit die Leber am Tisch aus dem Salzteigmantel und bestreut sie mit etwas Fleur de Sel – dann steht dem Genuss nichts mehr im Wege. Wunderbare Ergänzung liefert die geräucherte, hauchdünn aufgeschnittene Spanferkelschulter, die durch die Süße der Apfelstücke und die hintergründige Schärfe des Rettichs Finesse bekommt. Das Ganze wird durch die Rustikalität der Blutwurst untermalt und mit einem leicht gesalzenen Rührkuchen serviert. In der Kombination mit einem 2006er Mambourg Grand Cru von Marcel Deiss aus dem Elsass ist es schlicht grandios!

Raviolo vom Steinbutt im Trüffelsud als erster Fischgang von Boris Benecke im Wald- und Schlosshotel Friedrichsruhe in Zweiflingen

Ein weiterer Klassiker kommt auf den Tisch: Raviolo vom Steinbutt im Trüffelsud. Nach dem komplexen, ausladenden Gänselebergang hat es die saftige Steinbutt-Schnitte jedoch schwer. Zwar funktioniert die bewährte Verbindung von Steinbutt und Trüffel, doch fehlt der letzte Kick Raffinesse.

  • Tomahawk-Steak mit Bio-Kartoffeln als erster Hauptgang von Boris Benecke im Wald- und Schlosshotel Friedrichsruhe in Zweiflingen

Tranchierkunst beweist Dominique Metzger erneut beim Tomahawk-Steak mit Bio-Kartoffeln und Gartengemüse. Das tadellose Fleisch besteht bereits für sich, so dass wir das knackige Gartengemüse zwar zu schätzen wissen, aber nicht unbedingt als notwendig empfinden. Dafür spielt es zu sehr mit der Süße, die im Kontrast zum Steak zwar ihren Reiz hat, doch die Rustikalität des Fleischs zu sehr bricht. Umso lieber lassen wir uns noch etwas vom aromatischen Fettrand des Steaks servieren.

Wagyu-Ochsenbäckchen als zweiter Hauptgang von Boris Benecke im Wald- und Schlosshotel Friedrichsruhe in Zweiflingen

Deftig kommt dann das geschmorte Wagyu-Ochsenbäckchen mit Kräutercrème, Pfifferlingen und Lembergerjus daher. Der vor aromatischer Tiefe strotzende Lembergerjus bereichert die feinen Ochsenbäckchen vom Edelrind. Ausgeschmückt wird das Gericht mit Pfifferlingen und einer gehaltvollen Gänseleberscheibe, die das gewisse I-Tüpfelchen bildet.

Joghurt und Erdbeere als Erfrischung von Boris Benecke im Wald- und Schlosshotel Friedrichsruhe

Nach der süffigen Dekadenz schafft die kleine Erfrischung von Joghurt und Erdbeere wieder etwas Platz für die letzten süßen Gänge des Menüs.

Geeiste Champagnertrüffel mit Rhabarber als Dessert von Boris Benecke im Wald- und Schlosshotel Friedrichsruhe

Der geeiste Champagnertrüffel mit Rhabarber, Minze und Schokolade erweist sich als kunstvoll ummantelte Schokolade in Christbaumkugelformat. Wie bei anderen in dieser Form servierten Dessertklassikern – etwa der Schwarzwälder Zuckerkugel von Pierre Lingelser – kommt hier kindliche Freude beim Zerstören auf. Danach vermissen wir allerdings den kulinarischen Anschluss an die zelebrierte Destruktion. Die Schokoladensplitter erweisen sich als zu großformatig, während Rhabarber und Schokolade keine recht funktionierende geschmackliche Basis finden wollen. Die Eigengeschmäcker der Komponenten bleiben nebeneinander stehen. Schade.

  • Käse bei Boris Benecke im Wald- und Schlosshotel Friedrichsruhe

Etwas unserer Menüfolge abweichend ruckelt nach den Desserts noch der klassische Käsewagen inklusive kleiner Snacks über die Terrasse.

Die Petits Fours bei Boris Benecke im Wald- und Schlosshotel Friedrichsruhe in Zweiflingen

Natürlich fehlen die obligatorischen Petits Fours nicht. Auch hier fällt uns die abwechslungsreiche und nicht erschlagende Zusammenstellung an Pralinés und Trüffeln auf.

Das Küchen- und Serviceteam im Wald- und Schlosshotel Friedrichsruhe in Zweiflingen

Wir verbrachten einen entspannten Nachmittag auf der sonnenverwöhnten Terrasse des Schlosshotels. Maître Dominique Metzger (6.v.l.), dem nicht nur französische Noblesse angeboren scheint, tranchiert und serviert mit großer Souveränität. Gekonnt führt er das Serviceteam und fängt Anflüge von Hektik mit Nonchalance auf – gute alte Schule in jeder Hinsicht.

Sommelier Jochen Benz (3.v.r.) glänzt bei der Abstimmung der Weine auf die Speisen und findet dabei eine angenehme Balance aus Regionalem und Internationalem, aus Klassikern und Neuentdeckungen.

Der Küchenstil im Schlosshotel ist von einer zum Ort passenden Mischung aus französischer Klassik und behutsamer Modernisierung. Zwar werden keine kulinarischen Grenzen ausgelotet, dafür bekommt man fast durchweg harmonische Gerichte serviert. Lediglich die Pâtisserie kann für unseren Geschmack nicht ganz an die Küche anschließen. Etwas mehr Mut, die Gäste zu fordern, könnte zum Menüabschluss kleine Wunder bewirken. So oder so: Boris Benecke positioniert sich mit diesem Menü als Koch, der sein Handwerk bei den Besten gelernt und nun eine souveräne Richtung gefunden hat.

Boris Benecke ist Küchenchef im Wald- und Schlosshotel Friedrichsruhe

Fazit: In Friedrichsruhe serviert Boris Benecke eine Küche, die keine Spielereien oder Überraschungen forciert, sondern sich bewusst auf einen möglichst klaren Geschmack konzentriert. Bei klassisch basierten Gerichten beweist der Küchenchef Stilsicherheit.

 

Wald- und Schlosshotel Friedrichsruhe

Kärcherstraße / Blvd de Welingen
74639 Zweiflingen-Friedrichsruhe
Telefon +49 (7941) 60 87 0
Die Website des Restaurants

Bewertungen: 1* (Michelin) / 16 Punkte (Gault Millau)

Weinbegleitung


Die Weinbegleitung im Wald- und Schlosshotel Friedrichsruhe

NV Bollinger Special Cuvée Brut, Champagne, Frankreich

NV Bollinger Rosé Brut, Champagne, Frankreich

2012 U-haft Scheurebe trocken Weingut Christian Stahl, Franken, Deutschland

2011 Grau-Weiss*** Grauburgunder mit Weissburgunder trocken, Weingut Rainer Schnaitmann, Württemberg, Deutschland

2010 Emilio Rojo, Ribeiro, Spanien

2006 Mambourg Grand Cru Marcel Deiss, Elsass, Frankreich

2008 Mer Soleil Chardonnay, Kalifornien, USA

2010 Neckarsulmer Scheuerberg "Steinkreuz" Lemberger GG Weingut Drautz-Able, Württemberg, Deutschland

2005 Les Carruades de Lafite, Pauillac, Frankreich

1969 Mas Amiel , Maury, Roussillon, Frankreich

2012 Moscato d'Asti (Vignaioli di Stefano), Ceretto, Italien

Fragen an den Suffmeister (a.k.a. Sommelier) Jochen Benz


Jochen Bend ist Sommelier im Weinkeller des Wald- und Schlosshotels

Anzahl der Positionen
480

Haben Sie einen besonderen Fokus bezüglich der Weinkarte?
Baden & Württemberg (speziell Weine aus Hohenlohe und dem Taubertal), außerdem Bordeaux.

Welche ist Ihre preiswerteste/teuerste Flasche?
Preiswerteste Flasche: 2012 Weißburgunder trocken, Weingut Drautz-Able. Teuerste Flasche: 1989 Château La Mission Haut Brion für 1070 €

Die ungewöhnlichste Rarität?
1949 Chambertin Clos de Beze, Averys of Bristol

Welches ist Ihr meistverkaufter Wein der letzten 12 Monate?
2011 Blabla Blanc Weißwein trocken, Bernd Kreis & Gert Aldinger

Ihre Entdeckung der letzten 12 Monate?
2010 Emilio Rojo Ribeiro

Ihr Lieblingswein? Weshalb?
2002 Riesling Spätlese, Weingut Forstmeister Geltz-Zilliken weil der Wein nach 11 Jahren immer noch Spaßfaktor hoch 10 ist und eine herrliche Frische und Frucht hat: Mineralisch, knackig, keinerlei Altersnoten, feingliedrig und man nicht genug davon bekommen kann.

Der ausgefallenste (vinophile) Gästewunsch, mit dem Sie konfrontiert wurden?
Gäste aus einem nichteuropäischen Land wollten drei Flaschen 1989er Château Haut Brion mit Süßstoff verfeinert haben, da er ihnen zu trocken war. Zu Beginn habe ich nicht ganz begriffen, was sie wollten. Es lag nur immer dieses kleine Döschen auf dem Tisch und dann erhielt ich die nette Erklärung, dass sie das immer so täten. Dies ereignete sich allerdings nicht hier im Wald & Schlosshotel.

Die Küchenbrigade


Daniel Katzlmayer
Phillip Eberhardt
Thomas Jakob
Nicola Ciccimara
Henry Stepper
Tim Freudenberger
Mario Peters
Kevin Vrhar
Boris Benecke

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