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Die besten Food-Fotografen: Luzia Ellert


Die Fotografin Luzia Ellert

Luzia Ellert ("geboren in Wien, lebt in Wien, liebt Wien") hat Fotografieren ganz klassisch bei einem Industriefotografen gelernt und sich nach Assistenzjahren bei einem Modefotografen und einigen Jahren als Fotoredakteurin bei der – damals stilbildenden – Zeitschrift "Wiener" mit ihrem Fotostudio auf Stilllife- und Foodfotografie spezialisiert. Sie arbeitet für Werbung, Zeitschriften und Buchverlage; in den letzten Jahren ist – meist in der Münchner Collection Rolf Heyne – eine ganze Reihe außergewöhnlicher Kochbücher erschienen, darunter die "Werkschauen" vieler Spitzenköche wie Dieter Müller, Sven Elverfeld, Christian Jürgens, Johannes King, Kolja Kleeberg, Thomas Kammeier und zuletzt Tim Raue.

Halpert/Ellert: Tomate
Bilder zum Vergrößern anklicken – alle Bilder © Luzia Ellert

Sternefresser: Wie kamen Sie zur Fotografie?

Luzia Ellert: Eigentlich war für mich schon sehr früh klar, dass mein Beruf unbedingt ein kreativer sein muss. In die engste Wahl kam dann Goldschmiedin oder Fotografin. Nun, ich habe mich – wohl auch durch den Rat meiner älteren Schwester, die damals gerade ihre Ausbildung zur Grafik-Designerin abgeschlossen hatte – für die Fotografie entschieden. Und hab’s bis heute nicht bereut.

 

Sf: Nikon oder Canon?

L.E.: Schon immer Nikon, aber auch PhaseOne, Linhof, Sinar und in letzter Zeit wieder öfter meine gute alte Hasselblad.

 

Sf: Wie würden Sie Ihren Stil beschreiben?

L.E.: Klar, schnörkellos. Und immer mit einem Augenzwinkern.

 

Sf: Wie ist Ihr Faible zum Thema Essen zustande gekommen?

L.E.: Schon während meiner Ausbildung war da die Leidenschaft zum Stilllife. Dass dann später die Foodfotografie Mittelpunkt meiner Arbeit werden würde, war nie geplant, das hat sich zufällig ergeben. Aber schon damals hab’ ich jede Menge Zeitschriften und Bücher mit den Fotos meiner Lieblingsfotografen Reinhart Wolf, Hans Hansen und Christian von Alvensleben studiert – ich war fasziniert von ihren Foodaufnahmen, die eine so ganz andere, ungewohnte, neue Bildsprache hatten. Möglicherweise hat das den Grundstein zu meiner heutigen Liebe zur Foodfotografie gelegt.

Aus dem Buch: Tim Raue – My Favorite Things

Sf: Welchen Koch finden Sie in Bezug auf das Anrichten spannend? Was gefällt Ihnen beim Anrichten gar nicht?

L.E.: Jeder Koch, der seinen eigenen Stil entwickelt, ist auch beim Anrichten spannend. Ich hatte in den letzten Jahren das Glück, für einige ganz Große der Zunft zu fotografieren, und jeder für sich war einfach eine eigene kreative Welt. Auch wenn praktisch alle in etwa die gleichen Ausgangsprodukte verwenden – das kulinarische Ergebnis ist jedes Mal eine eigene neue Geschmackswelt, die sich optisch ganz aufregend präsentiert. Einfach großartig. Natürlich gibt’s dann in der Mittelklasse auch viele Trittbrettfahrer. Die find’ ich dann allerdings recht langweilig.

 

Sf: Welcher Koch würde Ihrem Stil im kulinarischen Sinne perfekt entsprechen?

F.B.: Ich persönlich hab’ es sehr gern, wenn hervorragende Grundprodukte in ihrem Geschmack so pur und unverfälscht wie möglich erhalten bleiben. Aber ich schätze die Küche von so vielen Köchen, dass das Aufzählen hier den Raum sprengen würde. Gutes Essen kann mich aber – immer – sehr glücklich machen.

 

Sf: Welches ist in Ihren Augen das Kochbuch mit den weltweit besten Food-Fotos?

F.B.: Das ist für mich eigentlich nicht zu beantworten. Jedes Buch, das mich dank der Fotos neugierig auf den Koch, seine Gerichte und sein Umfeld macht und dann meine dadurch angeregte Fantasie und Erwartung in der Realität bestätigt, ist ein gutes Buch. Zuletzt hat das zum Beispiel René Redzepis NOMA – Zeit und Ort in der nordischen Küche perfekt getroffen – nicht zuletzt natürlich dank Ditte Isagers exzellenter Fotografie.

Luzia Ellert: Sven Elverfelds Rotbarbe

Sf: Was bedeutet der Begriff "Foodporn" für Sie und was finden Sie faszinierend daran: Motiv, Speise an sich, Präsentation?

L.E.: "Foodporn" ist doch nur eine kurzlebige Modetorheit, von der sowieso niemand weiß, was es denn genau sein soll. Für mich ist’s eine Wortkreation, die in meinen Wortschatz gar nicht vorkommt und mit Genuss und Kulinarik auch gar nichts zu tun hat.

 

Sf: Stellen Sie sich vor, Sie müssten abends in einem Restaurant Gerichte am Tisch fotografieren. Was ist die Waffe Ihrer Wahl?

L.E.: Ich bin nicht ganz sicher, wie die Frage gemeint ist. Also wenn ich essen gehe, fotografiere ich niemals, meinen Teller schon gar nicht. Da will ich einfach nur schön und gut essen. Wär’s eine Auftragsarbeit, würde ich wie immer im Vorfeld passend zum Thema alles planen, entsprechend der verlangten Stimmung das Licht dazu setzen und in aller Ruhe meine Arbeit machen.

 

Sf: Können Sie unseren Usern einen Tipp für bessere Food-Bilder in einer solchen Situation geben?

L.E.: Als Tipp würde ich sagen: Am besten schon bei der Platzwahl auf das beste Licht achten (eventuell ein Fenster nutzen, also nicht davor setzen und sich selbst Schatten machen). Die Kamera auf Automatik stellen, eine hohe Empfindlichkeit einstellen, den Weißabgleich auf Automatik und den Blitz unbedingt wegschalten. Und vor allem den Koch nicht dadurch verärgern, dass sein auf den Punkt gekochtes Essen durchs Fotografieren leidet....

Aus dem Buch: Johannes King – Land und Meer

Sf: Welche Techniken nutzen Sie generell, um Food optimal in Szene zu setzen?

L.E.: Das ist individuell ganz verschieden. Aber fast immer stelle ich die Kamera aufs Stativ, verwende meist einen Polfilter am Objektiv und arbeite immer mit einem "Einstellteller". Das heißt, es wird in aller Ruhe mit einem Dummy-Teller die Aufnahme inszeniert und exakt eingestellt, und erst wenn alles perfekt ist, wird der Teller gegen das Original, das eigentliche Fotogericht getauscht. Und dann kann und muss es schnell gehen.

 

Sf: Ferran Adria antwortete auf die Frage, was ihn noch reizen würde: Heißes Eis. Gibt es eine fotografische Idee oder ein Motiv, das Sie bisher noch nicht umsetzen konnten?

L.E.: Ich würde irrsinnig gern ein ganzes Buchprojekt mit der Lochkamera fotografieren.

 

Sf: Welchen Könner Ihrer Zunft bewundern Sie persönlich?

L.E.: David Loftus mit seinen erfrischend ungekünstelten und dennoch perfekten Aufnahmen für Jamie Oliver. Aber auch Kathrin Koschitzki mit ihren wunderbar poetischen Foodaufnahmen.

 

  • Fotografien von Luzia Ellert

Aktuelle Bücher von Luzia Ellert


Land und Meer fotografiert von Luzia Ellert

Johannes King: Land und Meer

Verlagstext: "Das neue große Kochbuch von Johannes King. Feine heimische Produkte treffen auf 2-Sterne-Koch. Eine geerdete Vision für die Zukunft der Gourmetküche.Sterneküche zwischen Land und Meer: Johannes King, 2-Sterne-Koch in Rantum auf Sylt, präsentiert in seinem zweiten Buch eine geerdete, regionale, saisonale Gourmetküche, deren Grundprodukte samt und sonders von der Insel stammen. Als Besitzer eines hochseetauglichen Fischerbootes, als Pächter eines Morsumer Bauernhofes und als Gastgeber und Küchenchef im Söl'ring Hof ist er zugleich kreativer Produzent und innovativer Verarbeiter von fein-heimischen Zutaten zu außergewöhnlichen, verblüffend "normalen" Gerichten. Das ist der Weg, den die Hochküche einschlagen muss und wird, um sich selbst nicht unerheblich zu machen."

Preis: EUR 49,90

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Tim Raue fotografiert von Luzia Ellert

Tim Raue: My favorite Things

Verlagstext: "Nach dem autobiografischen Bestseller »Ich weiß, was Hunger ist« jetzt das große Kochbuch des »Ausnahmekochs« (»Gault Millau«) aus Berlin-Kreuzberg. Über hundert außergewöhnliche, asiatisch inspirierte Rezeptkreationen. Gerichte, die Energie und Lebensfreude spenden. Traumwandlerisch sichere Balance von süßen, sauren und scharfen Aromen.Mein Essen ist wie ich: Es haut rein, ist manchmal unbequem, hinterlässt aber immer einen bleibenden Eindruck« (Tim Raue). Hongkong, die Stadt, die übersetzt »duftender Hafen« heißt, ist seit Jahren Inspirationsquelle von Tim Raue. Er nutzt jede Gelegenheit, um die pulsierende Metropole zu besuchen. In seinem ersten eigenen Restaurant, am 3. September 2010 in der Rudi-Dutschke-Straße in Berlin Kreuzberg eröffnet, dessen Ambiente betont schlicht und von urbaner Atmosphäre geprägt ist, treffen die beiden Kraftquellen von Sternekoch Tim Raue aufeinander: das preußische Berlin und das asiatische Hongkong. "

Preis: EUR 75,00

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