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Die besten Food-Fotografen: Wonge Bergmann


Der Fotograf Wonge Bergmann

Nach dem Studium des Kommunikationsdesigns arbeitet der gebürtige Hamburger als Assistent für Werbe- und Modefotografen. Seit 1985 ist er Fotograf, seit 1991 für die Frankfurter Allgemeine Zeitung als "fester Freier" mit unterschiedlichsten Arbeitsgebieten tätig. Er veröffentlichte unterschiedliche Bücher, darunter "Tapas, das Kochbuch", von und mit Juan Amador. Bergmann ist verheiratet und lebt mit Frau und zwei Töchtern in Frankfurt am Main.

Hans Horberths Seeigel – fotografiert von Wonge Bergmann
Bilder zum Vergrößern anklicken – alle Bilder © Wonge Bergmann

Sternefresser: Wie kamst Du zur Fotografie?

Wonge Bergmann: Durch einen Fotokurs in der 11. Klasse.

 

Sf: Nikon oder Canon?

W.B.: Völlig egal. Momentan ist es Nikon wegen des hervorragenden Services.

 

Sf: Wie würdest Du Deinen Stil beschreiben?

W.B.: Sinnlich, neugierig, auf den jeweiligen Stil des Koches oder der Köchin eingehend, manchmal sogar journalistisch im Denken, aber nicht in der Bildsprache. Ich arbeite selten mit Foodstylisten, weshalb das Teamwork mit den jeweiligen Köchen sehr wichtig ist.

 

Rote Bete von Juan Amador – fotografiert von Wonge Bergmann

Sf: Wie ist Dein Faible zum Thema Essen zustande gekommen?

W.B.: Durch meine Großmutter. Sie war gelernte Köchin und hat Völkerschauen um die Jahrhundertwende in Hagenbecks Tierpark in Hamburg bekocht. Außerdem wurde ich mal ins Cuneo in Hamburg eingeladen und wollte danach immer so werden wie Franco Cuneo.

 

Sf: Welchen Koch findest Du in Bezug auf das Anrichten spannend? Was gefällt Dir beim Anrichten gar nicht?

W.B.: Spannend ist definitiv Juan Amador. Ein Teller ist für mich wie eine Leinwand, dort hat eine gewisse Spannung im Format stattzufinden. Es verhält sich wie in der Malerei: Farbe und Form führen zu einem spannenden Ergebnis. Essen einfach nur auf den Teller zu legen, empfinde ich als ärgerlich!

 

Sf: Welcher Koch würde Deinem Stil im kulinarischen Sinne perfekt entsprechen?

W.B.: Da gibt es einige: Juan Amador, Joachim Wissler, Sven Elverfeld, Nils Henkel, Daniel Achilles, Christian Bau und derweil auch Tim Raue.

 

Kirsch-Gazpacho von Juan Amador – fotografiert von Wonge Bergmann

Sf: Was bedeutet der Begriff "Foodporn" für Dich und was findest Du faszinierend daran: Motiv, Speise an sich, Präsentation?

W.B.: "Foodporn" ist ein klassischer Fall von bedeutungsschwangerer Wortwahl. Hier soll ein Wort alles auf einmal erklären: Ästhetik, Bildsprache, Farbigkeit, Formale Ausrichtung. Foodfotos haben verschiedene Wirkungsebenen und -möglichkeiten. Eine hochwertige bildhafte Ausarbeitung eines Foodfotos "Foodporn" zu nennen, finde ich falsch und irreführend. Ganz abgesehen von den sonst noch wirkenden Assoziationsketten bedingt durch die Endung "-porn"! Wenn diese überhöhte Emotionalisierung und gleichzeitige Wirkung aller möglichen sonstigen Reize auf einem Bild beschrieben werden soll, kann man dies doch auch differenziert machen. Und je besser wir das analysieren, desto mehr sind wir in der Lage, fein abgestimmte Fotos zu machen.

 

Sf: Kannst Du eine solche visuelle Götterspeise nennen?

W.B.: Das Japan-Kochbuch von Reinhart Wolf beinhaltet einige Götterspeisen.

 

Sf: Stell Dir vor, Du müsstest abends in einem Restaurant Gerichte am Tisch fotografieren. Was ist die Waffe Deiner Wahl?

W.B.: Ein hervorragender Koch, ein Glas guten Rotweins, ein lichtstarkes Objektiv und gute Stimmung im Restaurant. Denn ich nehme mal an, dass für die Fotos die Gäste nicht extra rausgeworfen werden sollen.

 

Lamm-Ziegenmilch von Juan Amador – fotografiert von Wonge Bergmann

Sf: Kannst Du unseren Lesern einen Tipp für bessere Food-Bilder in einer solchen Situation geben?

W.B.: Zeichnet einen Tag lang eine italienische Bialetti-Espressomaschine nach, danach wisst Ihr mehr über Licht und Schatten und könnt mit oben erwähnter Lichtsituation besser und einfühlsamer umgehen. Fotografieren sollte man zuvor allerdings auch ein wenig gelernt haben. Setzt Euch unbedingt mit den notwendigen Arbeitsschritten für die Bearbeitung Eurer digital erstellten Bilder auseinander – das ist genauso wichtig, wie das Fotografieren selbst.

 

Sf: Welche Techniken nutzt Du generell, um Food optimal in Szene zu setzen?

W.B.: Natürlich wirkendes Licht und nur die besten Objektive, insbesondere Festbrennweiten. Wann immer es geht, auch eine Kleinbildkamera. Und da heute alles digital fotografiert wird, bedarf es dann einer hochqualitativen Nachbearbeitung für das Bildmaterial. Hierbei gibt es immer wieder neue Entwicklungen und neue Software, mit der man sich auseinandersetzen sollte. Der Lohn sind gute Foodfotos.

 

Sf: Ferran Adria antwortete auf die Frage, was ihn noch reizen würde: Heißes Eis. Gibt es eine fotografische Idee oder ein Motiv, das Du bisher noch nicht umsetzen konntest?

W.B.: Mein Traum ist eine weltweite Reportage über die besten Erzeuger von Lebensmitteln: Gemüse, Früchte, Fisch, Fleisch, einfach alles. Ich könnte mir tolle Produktfotos, Porträts und natürlich Foodfotos vorstellen. Ich bin mir sicher, dass man in dem Zusammenhang auch viele außergewöhnliche Köche und Köchinnen träfe und Freude an deren Gerichte hätte.

 

  • Juan Amador und Joachim Wissler – fotografiert von Wonge Bergmann
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