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Champagner – eine Liebeserklärung. Von Torben Bornhöft, Trinklaune.de


Die Kapseln des Champagners

Ich mag Champagner, seit ich das erste Mal ein Glas trank. Dies jedoch ausschließlich mit seinem – zugegebenermaßen formidablen – Geschmack zu begründen, greift mir zu kurz. Der Mythos, der den Champagner nach wie vor begleitet, wird mit dem Öffnen einer neuen Flasche immer wieder zum Leben erweckt. Jeder Schluck, der die Kehle hinunterrinnt, macht die Geschichte lebendig, die mitschwingt in diesem doch immer wieder besonderen Wein.

Feierlichkeiten, Ausgelassenheit, Anrüchigkeit – all das ist nicht loszulösen vom Champagner, was ihn wohl zum am stärksten von Mythen umwitterten Wein der Welt machen dürfte und jeden Vergleich mit anderen Schaumweinen – welcher Qualität sie auch sein sollten – überflüssig macht. Champagner ist Champagner ist Champagner ist Champagner – lässt sich in Anlehnung an Gertrude Stein sagen.

Neben den historischen Dimensionen eröffnet das Glas Champagner aber auch ein tolles Essen, einen Abend, der sich ins Gedächtnis einbrennen kann. Es ist der Moment, in dem die Geschmacksknospen in höchstem Maß aktiv sind. Intensive Aromen haben ihre Spuren noch nicht an Zunge und Gaumen hinterlassen – genau wie der eine oder andere Schluck Wein, der serviert werden wird. Der Tisch ist noch nicht mit den Köstlichkeiten, die der Abend bereithält, bedeckt, und das Stöbern in der Speisekarte und die Vorfreude haben einen Geschmack: den des elegantesten Weins der Welt, des Champagners. Er läutet die zeitweilige Schaffung einer unwiederbringlichen Gemeinsamkeit ein, die die kommenden Stunden für jeden am Tisch zu bringen vermögen. Wenn alles stimmt, sind dies die Stimmungen, die einem unvergesslichen Abend den Weg bereiten – und auf die geteilte Flasche Champagner, die den Beginn einläutet, möchte ich nicht verzichten. Das sanfte Geräusch beim Entkorken, das Einschenken, das Perlen feinster Bläschen in filigranen hohen Gläsern – höchste Kultur am Tisch, zusammengeführt in einer Flasche, aufgeteilt auf alle Teilhabenden.

Getränken kommt oftmals außerordentliche Bedeutung zu. In diesem Sinn stellt Trinklaune einige der besten Champagnermomente vor, die wir in der spannenden Bandbreite zwischen säuregetriebenen Winzerchampagnen und präsenten Klassikern größerer Häuser erleben durften. Allesamt besondere Situationen mit spezieller Bedeutung und oftmals erinnerungswürdiger Geschichte, die in einer Flasche stecken. Viel Spaß damit!

Champagner-Degustation von Trinklaune.de
Champagner-Degustation von Trinklaune.de

Der Champagnermoment. Von Oliver Steffens, Trinklaune.de


Es war einer der ersten warmen, sonnigen Tage dieses Jahres, als wir endlich zusammentrafen, um gemeinsam einen der ganz besonderen kulinarischen Momente zu erleben. Wir wollten heute einen Tag lang im Schlosshotel Lerbach mit allen Sinnen genießen. Darauf haben wir uns schon seit Wochen – nein, Monaten gefreut.

So trafen wir dann auch zeitig um die Mittagsstunde ein. Aber leider nicht alle. Der Zauber der Bahn betörte einen von uns dermaßen, dass er erst mit nahezu zwei Stunden Verspätung ankommen würde. So saßen wir also auf der Terrasse vor dem Schlosshotel und fanden uns notgedrungen damit ab, auf diese so lange herbeigesehnten Glücksmomente noch etwas länger warten zu müssen.

Welches Getränk passt in dieser Situation, die guten Gespräche begleitend, die Spannung und die Stimmung steigernd und die Gemeinschaft fördernd, besser als Champagner? Wir hatten eine Flasche Bruno Paillard Brut Première Cuvée. Der Champagner erzeugte eine vibrierende Vorfreude auf das Kommende und schuf zugleich Augenblicke des Genusses und der Besinnung. Gemeinsam mit der Luft, die nach nahendem Sommer roch, dem Blick in den Park des Schlosshotels und der Begleitung der Freunde, auf die man sich schon so lange freute, schuf er eine einzigartige Atmosphäre.

Im Laufe des Nachmittags haben wir weitere Weine getrunken, die ohne Zweifel größte Genüsse bereiteten, doch ist mir die erste Flasche an diesem Tag durch diese besondere Situation mehr im Gedächtnis haften geblieben. Wahrlich ein Champagnermoment.

Der Vieilles Vignes Françaises von Bollinger

Vieilles Vignes Françaises oder Ein Stück Geschichte. Von Robin Stein, Trinklaune.de


Die Faszination Champagner

Es war zu Beginn meiner Lehre im Schlosshotel Lerbach, als ich sie zum ersten Mal erblickte. Wohlgelagert in einer schlichten und doch wundervoll eleganten Holzkiste schlummerte sie im umfangreichen Champagner-Keller des Schlosses in bester Gesellschaft vor sich hin. Einige Monate später durfte ich diese Kiste im Rahmen einer Inventur zum ersten Mal öffnen. Spätestens da war es um mich geschehen. Ich war der prunklosen Flasche verfallen, die in ihrer Kiste schlummerte wie eine jungfräuliche Königin im Hochzeitsbett.

Die Ausbildung neigte sich dem Ende entgegen und die Einsätze im heutigen Gourmetrestaurant Lerbach – und damit auch der Zugang zu exklusiveren Flaschen – mehrten sich. Es war schließlich im Winter 2008, als ein Gast sich besagte Kiste aus dem Keller bringen ließ, um gemeinsam mit seiner Familie anzustoßen. Gebannt schaute ich zu, wie Sommelier Thomas Sommer der vierköpfigen Familie dieses Elixier kredenzte. Ob sich Frau und Kinder bewusst waren, was sie dort tranken, weiß ich nicht. Im Gesicht des Vaters konnte ich jedoch erkennen, dass er keinen Cent des immerhin fast vierstelligen Flaschenpreises bereute. Ab diesem Zeitpunkt wusste ich, dass der Inhalt der Flasche mindestens so legendär sein musste wie ihr Ruf.

Als ich Verlauf des Abends das Leergut entsorgte, war mein Ziel klar. Ich ließ mir die letzten in der Flasche verbliebenen Tropfen auf den Handrücken tropfen, um einen Eindruck von dem legendären Aroma gewinnen zu können. Als ich sie mit den Händen verrieb, legte sich die Flüssigkeit wie Seide auf die Haut und verströmte einen parfümartigen, dunklen Duft von puren Trauben. Ich fühlte mich ein wenig wie Grenouille, der sich am Nussöl-, Wasserlilien- und Aprikosenblütenduft des Mirabellenmädchens labt.

Am 08. Januar 2011 war es schließlich so weit. In einer angenehmen Runde aus sieben Freunden öffneten wir in Pusser’s New York Bar andächtig eine jener Holzkisten, und schweigend sah die Runde zu, wie Agraffe und Korken entfernt wurden. Das leise Zischen der entweichenden Kohlensäure war das Einzige, was die Stille unterbrach, und jeder im Raum war sich bewusst, was uns erwartete. Während der Verkostung notierte ich mir zwar einige Geschmackseindrücke, diese sind aber eher zweitrangig, da mir an diesem Abend etwas viel wichtigeres bewusst wurde: Man trinkt mit diesem Wein ein Stück Geschichte.

Nun, so mancher Leser wird sich gefragt haben, von welcher Flasche ich überhaupt rede? Es ist Bollingers "Vieilles Vignes Françaises".

Der "Vieilles Vignes Françaises"

Der Vieilles Vignes Françaises ist der legendärste Blanc-de-Noirs-, also nur aus Pinot Noir Trauben gekelterte Wein der Champagne. Was aber macht diesen Champagner so besonders? Klar, er ist streng limitiert und nicht gerade erschwinglich. Die geringe Menge und der hohe Preis sind aber kein Unikum mehr und machen ein Produkt noch längst nicht besonders. Kein anderer Blanc de Noirs reicht jedoch an den Gehalt und die Komplexität des Vieilles Vignes Françaises heran, und dies hat historische Gründe. Als 1863 die Reblaus erstmals einen Weinberg in Frankreich befiel, war es bereits zu spät. Eingeschleppt durch Pflanzenimporte aus Amerika, breitete sich der Schädling in den nächsten Jahren in den Weinbergen Europas aus und hatte verheerende Auswirkungen. Ernteverluste von bis zu 80% waren die Regel, und die Winzer und Regierungen konnten jahrelang nur hilflos zusehen, da Versuche, die Plage mit dem bekannten Insektizid Schwefelkohlenstoff einzudämmen, nicht den gewünschten Erfolg zeigten. Erst ab 1880 gelang, es die Reblaus erfolgreich abzuwehren, indem die europäischen Rebsorten auf die Wurzelsysteme amerikanischer Sorten aufgepfropft wurden, die gegen den wurzelsaugenden Schädling resistent waren.

Die Reben waren nun zwar gegen die Laus geschützt, allerdings hatten die Unterlagsreben Einfluss auf den Wuchs der Rebstöcke, weshalb diese nun je nach Unterlage mehr Laub und Trauben trugen. Ein durchaus positiver Nebeneffekt für die Winzer, die dadurch ihren Ertrag steigern konnten. Für den Genießer ist dies allerdings eher unerfreulich, da der Saft in den Trauben der Hybrid-Stöcke weniger konzentriert ist als in den wurzelechten Vertretern.

Bollinger hat nun das Glück, im Besitz dreier winziger Weinberge zu sein, die von der Reblaus verschont geblieben sind. Gemeinsam sind die drei Weinberge nur knapp einen halben Hektar groß und werden nach der En-foule-Methode bestockt. Die Weinberge wurden dazu sehr dicht bepflanzt, die wurzelechten Weinstöcke allerdings jedes Jahr abgesenkt und auf zwei bis drei Trauben pro Stock zurückgeschnitten. Dadurch sinkt der Ertrag zwar um ca. 35%, der gewonnen Saft ist jedoch konzentrierter und reicher als üblich.

Ein weiterer Aspekt von Hybrid-Weinstöcken ist eine um einige Tage verzögerte Fruchtreife. Dadurch, dass es in der Champagne kaum noch wurzelechte Reben gibt, wurde der gesetzlich vorgesehene Erntezeitpunkt natürlich an die neue Sorten angepasst, und die Trauben für Bollingers Vieilles Vignes Françaises erreichen eine gefährliche Reife. Durch diese Überreife werden sie noch gehaltvoller, allerdings auch zu einem Risiko für Bollinger, da die Trauben drohen, am Stock zu verfaulen.

An Bollingers Vieilles Vignes Françaises wird meines Erachtens ersichtlich, dass der Geschmack eines großartigen Produkts nicht unbedingt nur von den Fertigungsmethoden, sondern teilweise auch von der Natur- und Menschheitsgeschichte abhängt. Daher sollten wir beim nächsten Glas Vieilles Vignes Françaises vielleicht kurz in uns gehen und denken: "Wir trinken Geschichte!"

A votre santé!

Der Dom Pérignon lagert in den Kellern des Chateaus

Das Besondere des Champagners. Von Philipp Jäckel, Trinklaune.de


Ich habe Champagner immer etwas kritisch betrachtet und tue es hin und wieder immer noch. Damit ist jedoch nicht seine Aromatik und mit ihr gegebenenfalls verbundene kritische Degustation gemeint, sondern die zeitweise unverständliche Preisgestaltung. Mittlerweile bin ich mir sicher, dass man diesen speziellen Wein verstanden haben muss, um jenen Blickwinkel im Moment des Genusses gar nicht erst in Betracht zu ziehen. Und gerade diese Fähigkeit kommt wohl erst nach und nach. Fernab der Preisfindung am Markt durch Angebot und Nachfrage bezahlt man noch für einiges mehr. Das dürfte in diesem Artikel deutlich werden. Champagner ist ein einzigartiger Wein, und nicht zuletzt der Preis macht ihn zu etwas Kostbarem für einzigartige Momente im Leben. Für mich gehören zu diesen Momenten immer mindestens zwei Personen ? und seien es andere Gäste einer Bar, die vielleicht etwas ganz anderes trinken.

Das Champagner-Erlebnis, welches für mich endgültig auch die Verbindung zwischen der Qualität dieses Weins und dem Preis herstellte, ist gleichzeitig mein bisher schönstes Erlebnis mit diesem komplexen Getränk. Den krönenden Abschluss eines Winzerchampagner-Menüs, mit Trinklaune-Schreibern und weiteren Freunden, bildete eine Flasche Jacques Selosse Substance. Der Moment, in dem der erste Schluck probiert und analysiert wurde, war ein absoluter Glücksmoment. Dieser Champagner bietet so unglaublich viele spannende Facetten und ein Trinkerlebnis, das mir bis dahin neu war. Meilenweit entfernt von einem einheitlichen Geschmacksbild, welches man ganz grob mit Champagner im Allgemeinen verbindet. Alle, die an diesem Erlebnis teilhatten, waren für einige Zeit nur mit dem Wein beschäftigt. Angeregte Gespräche und Diskussionen, die den Abend begleiteten, verstummten für diesen Augenblick.

Und ja, natürlich kann man auch in eine hocherfreuliche Champagner-Trinklaune verfallen. Auch dafür halten die Winzer aus der Champagne genügend Qualitäten bereit, die weniger kostspielig, aber immer noch über andere Schaumweine erhaben sind. Denn Champagner ist …. Champagner und weit mehr als nur ein Wein.

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Trinklaune. Der Name soll Programm sein.

Philipp, Oli, Robin, Torben und Alchemyst schreiben über "Flüssiges und Überflüssiges, übers Trinken und die Getränke, über den Genuss derselben und das Genießen schreiben. Jeder mit seinem eigenen Fokus, auf dass wir möglichst viele Facetten dieses umfangreichen Themas beleuchten können. Wir wollen Euch mitnehmen, neue Genusswelten, Sterne am Champagnerhimmel und Oasen der Barkultur zu entdecken."

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